Drei Meter weiter oben saß der Wirt der „Säbel“ mit seinem Geschäftsführer und Freund Paul Hindelang beisammen und besprach bei einem guten Tropfen die letzten Gaunereien, die sie wie fast immer ausgesprochen erfolgreich über die Bühne gebracht hatten. Das meiste Geld verdienten sie mit Erpressung, Betrug und Hehlerei, jedoch verschmähten sie auch einen gut geplanten Überfall nicht. „Und der Albioner ist wirklich nicht hier aufgetaucht, Paul?“ „Nein, Boss. Ganz sicher nicht. Ich habe die letzten Tage genau aufgepasst und weder er noch einer seiner grauenhaft ehrlichen Freunde ist hier aufgetaucht.“
„Gut, gut. Das Betrugsmanöver, dass Hermanis und Guntram ihm unterschieben wollten, war zu schön geplant! Wie gerne hätte ich einige seiner Bierfässer gegen minderwertige Ware ausgetauscht! Zu schade, dass er uns wirklich betrügen wollte!“ Die beiden brachen in schallendes Gelächter aus und stießen mit ihren frisch gefüllten Gläsern an, die fröhlich klirrten. „Still, Paul! War da nicht ein Geräusch von unten?“ Der kräftige Türsteher lauschte kurz und schüttelte dann entschieden den Kopf. „Was sollte schon sein? Die Säbel haben geschlossen, und unten im Gang sitzt ein schwerbewaffneter Wächter!“
„Klar, du hast recht. Bring die Dokumente, die unsere Abmachung mit Hermanis und Guntram beweisen, nach hinten. Sie sind unsere Versicherung gegen die Stadtwache!“ Mit diesen Worten wies der Wirt auf einen Stapel Dokumente, die achtlos auf dem Tisch lagen. Paul leerte sein Glas und schickte sich an, die Dokumente zusammenzusuchen, als die Falltür mit einem lauten Knall aufsprang. „Hände hoch!“, schrie ein unauffälliger, mittelgroßer Mann, der plötzlich wie durch Magie vor ihnen stand, eine Radschloßpistole in der Faust.
Der Wirt nickte Paul, seinem langjährigen, treuen Mitarbeiter diskret zu und spielte dann auf Zeit. „Aber, aber! Seid ihr mit dem Service nicht zufrieden?“ Bendix schnaubte leise. „Betrüger! Dreh dich um, und dann Pfoten hoch!“ In diesem Moment stürzte sich der treue Paul mit einem gewaltigen Sprung auf den jungen Albioner, der genau das erwartet hatte. Gegen den Muskelprotz hatte er nur eine einzige Chance, und so zögerte er nicht, die zweiläufige Radschloßpistole anzufeuern. Der erste Schuß traf Paul mitten in den Wanst, verlangsamte den Koloss aber nicht. Der zweite Schuß drang dem Türsteher und Geschäftsführer mitten in die Stirn und ließ das Blut in Stömen sprudeln. Mit einem letzten Röcheln brach der Gigant zusammen und lag zwischen Bendix und dem Wirt.
„Na, junger Hitzkopf, wie viele Schüsse hast du noch in deiner Pistole? Ich habe noch zwei!“ Mit diesen Worten zog er seinerseits eine Pistole unter dem Tisch hervor und visierte Bendix an. Doch dieser lachte nur. „Schießt doch, ich fürchte den Tod nicht! Aber vielleicht erzählt Ihr mir vorher, warum ihr mich diskreditieren wolltet.“ „Ah, immer ein lockerer Spruch auf den Lippen. Sehr beeindruckend! Tja, dass war nur ein Geschäft. Blauhut und Hermanis haben mir versprochen, dass ich eine Ladung von 15 Fass Bier umsonst erhalte und außerdem noch Schadensersatz von dir verlangen kann. Nichts persönliches also, wie du siehst. So, genug geschwätzt. Waffen weg, und dann dreh dich um, an die Wand!“
Der Albioner grinste provokant und warf dem Wirt dann aufreizend langsam sein Stilett vor die Füße. Anschließend zog er einen Schlagring aus der Innentasche und warf ihn ebenfalls auf den Fußboden. „Weiter, weiter. Gleich werde ich dich fesseln und betäuben, und wenn du wieder aufwachst, bist du weit, weit entfernt auf der Galeere eines Freundes!“ Bendix zog seine letzte Waffe hervor, nämlich den kleinen Tiegel mit dem Betäubungstrank und streckte ihn seinem Widersacher aufreizend langsam entgegen. „Hier, das ist alles!“ Mit diesen Worten schleuderte er den Tiegel mit aller Gewalt gegen die Stirn des Wirtes, der laut aufwimmerte und im selben Moment seine Pistole abfeuerte, einmal, zweimal.
Bendix spürte ein warmes Aufglühen an der Brust und dann ein Stechen, erst in der linken Schulter, dann mitten auf der Stirn. Unterdessen stömten aus dem zerplatzten Tiegel, der vor dem Wirt auf dem Boden lag, gelbliche Dämpfe empor, die einen süßlichen Geruch verströhmten. Bendix stürzte sich mit einem lauten Schrei, der jedem Highlander Ehre gemacht hätte, auf den Wirt, der verstört überlegte, warum seine beiden Pistolenschüsse den schwächlichen Händler nicht hatten stoppen können.
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